Mai 2026So  17:00
31

Festival LIEDBasel

LIEDAcademy: Abschlusskonzert

LIEDBasel | Paul Sacher Saal

Die Duos der LIEDAcademy kuratieren ein Programm zum Motto „Alles nur geklaut“ und stellen aussergewöhnliches Repertoire neben bekannte Werke der Liedliteratur.

Datum und Ort

Sonntag, 31. Mai 2026
17.00 – 18.30 Uhr
Musik- und Kulturzentrum Don Bosco, Paul Sacher Saal

 

Tickets

Mitwirkende

Maryam Jalilkandy, Sopran und Kie Kojima Klavier
Emmi Kauppinen, Sopran und Jelena Pešić, Klavier
Gregor Reinhold, Tenor und Honoka Komoda, Klavier
Jakob Schad, Bariton und Parvis Hejazi, Klavier
Nina Schumertl, Mezzosopran und Amelie Warner, Klavier

 

Beschreibung

Jakob Schad, Bariton
Parvis Hejazi, Klavier

Robert Schumann (1810–1856)
Die beiden Grenadiere op. 49, Nr. 1 (1840) (Heinrich Heine)
Der Soldat op. 40, Nr. 3 (1840) (Adalbert von Chamisso)

Gustav Mahler (1860–1911)
Der Tamboursg‘sell aus Des Knaben Wunderhorn (1899) (Achim von Arnim/Clemens Brentano)

Franz Schubert (1797–1828)
Frühlingsglaube D 686 (1820) (Ludwig Uhland)

Die Marseillaise kennen wir heutzutage als französische Nationalhymne. Oft musikalisch
zitiert – man könnte auch «geklaut» sagen – ist es ein besonderer Zufall der
Musikgeschichte, dass sowohl Robert Schumann als auch Richard Wagner die Melodie der
Marseillaise in ihren Vertonungen von Heines «Die Grenadiere» verwendeten, und zwar ohne
vom jeweils anderen «Diebstahl» zu wissen. Die Melodie selbst hat eine bewegte
Vergangenheit: Ihre Herkunft ist bis heute ungeklärt, doch sie taucht immer wieder dort auf,
wo Krieg als Heldenhaft erzählt werden soll.
Heldenhaft allerdings ist Krieg nur in der Erzählung. Im echten Leben tut er etwas, für das
sich das Wort «klauen» durch seine Niedlichkeit verbietet. Er raubt. Er raubt Menschenleben,
Familienangehörige, Vermögen und Zukunft – für die Betroffenen und deren
Nachfolgegenerationen gleichermassen. Und doch hatte Krieg zu allen Zeiten einen
mächtigen Gegenspieler, gerade in der Kunst: die Hoffnung. Sie lässt sich nicht dauerhaft
rauben – auch von den schlimmsten Despoten nicht. (Jakob Schad und Parvis Hejazi)

***

Emmi Kauppinen, Sopran
Jelena Pesic, Klavier

Robert Schumann (1810–1856)
Ein Jüngling liebt ein Mädchen, aus Dichterliebe op. 48, Nr. 11 (1840) (Heinrich Heine)

Libby Larsen (*1950)
Three Cowboy Songs (1994)
Nr. 1. Bucking Bronco (Belle Starr)
Nr. 2. Lift Me Into Heaven Slowly (Robert Creeley)

Franz Schubert (1797–1828)
Die Liebende schreibt D 673 (1819) (Johann Wolfgang von Goethe)

Dora Pejačević (1885–1923)
Es hat gleich einem Diebe op. 23, Nr. 2 (1907) (Wilhelmine Gräfin Wickenburg-Almassy)

Richard Strauss (1864–1949)
Die Nacht op. 10 Nr. 3 (1885) (Hermann von Gilm)

Was ist das Wertvollste, das man stehlen kann?
Den Diebstahl bemerkt man erst, wenn man erkennt, dass ein anderer das Wertvollste in den Händen hält.
Man gibt sein Herz, ohne genau zu wissen, wohin es sich bewegt.
Es wirkt wie ein stilles Einvernehmen,
als hätte es nie einen Anfang gebraucht.
Und irgendwann spürt man: vielleicht war es nie ein Besitz, nur ein Übergang.
Die Zärtlichkeit fühlt sich an wie etwas, das durch einen hindurchgeht
und Versprechen stehen im Raum, ohne sich festzulegen.
Vielleicht war das Gestohlene doch die Zeit? (Emmi Kauppinen und Jelena Pešić)

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Gregor Reinhold, Tenor
Honoka Komoda, Klavier

Robert Schumann (1810–1856)
Ich wandelte unter den Bäumen, aus Liederkreis op. 24 (1840) (Heinrich Heine)
In der Fremde, aus Liederkreis op. 39 (1840) (Joseph Freiherr von Eichendorff)
Stille Liebe, aus 12 Gedichte op. 35 (1840) (Justinus Kerner)

Johanna Müller-Hermann (1878–1941)
An die Entfernte op. 11, Nr. 2 (1939) (Johann Wolfgang von Goethe)

Franz Schubert (1797–1828)
Wehmut D 772 (1823) (Matthäus von Collin)

Dieses Konzert widmen wir unserem verstorbenen Professor für Liedgestaltung Justus Zeyen, welcher uns immer ermutigte, unsere persönlichen Gedanken und Gefühle in die Interpretation der Musik einfliessen zu lassen.
Ausgehend vom Motto des Festivals ergibt sich für uns die Frage: Haben wir etwas «geklaut»? Ist die Art und Weise, wie wir unsere Lieder erarbeiten und musizieren, allein unser Verdienst?
Im Grunde kann man sagen, dass jeder Gedanke, den wir haben, nie ganz losgelöst von anderen existiert. So ist es natürlich auch beim Erarbeiten eines Liedes. Wir bedienen uns immer auch der Gedanken und Interpretationen anderer Künstler:innen, so auch derer Justus Zeyens und nicht zuletzt auch der Komponist:in oder der Dichter:in eines Liedes.
Ist es also gerechtfertigt, als vortragende Künstler:in eine Liedinterpretation als die «eigene» zu bezeichnen? Was haben wir im konkreten Fall von Justus Zeyen «geklaut» und was kommt tatsächlich von uns selbst? In unserem Programm wollen wir dieser Frage nachgehen. (Gregor Reinhold und Honoka Komoda)

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Maryam Jalalikandy, Sopran
Kie Kojima, Klavier

Claude Debussy (1862–1918)
Nuit d’étoiles (1880) (Théodore de Banville)

Alban Berg (1885–1935)
7 frühe Lieder (1907)
Nr. 4 Traumgekrönt (Rainer Maria Rilke)

Richard Strauss (1864–1949)
Die Georgine op. 10 Nr. 4 (1885) (Hermann von Gilm)

Arnold Schönberg (1874–1951)
Galathea (1901) (Frank Wedekind)

Vier Lieder, vier Erinnerungen
Dieses Programm entfaltet sich wie ein Mosaik, in dem jede Komposition einen eigenen Blick auf Liebe und Vergänglichkeit wirft. In Debussys «Nuit d’étoiles» durchzieht Sehnsucht die poetische Stimmung der Nacht. In «Traumgekrönt» zeichnet Berg das Bild einer entrückten Liebe, die nur noch in der Erinnerung weiter klingt. Mit «Die Georgine» entwirft Strauss das Bild einer Liebe, die erst spät ins Herz eintritt, und welche gleichermassen von Verlangen und Schmerz geprägt ist. Mit Galathea von Arnold Schönberg erhält das Programm eine neue Wendung: Leichtigkeit, Ironie und ein spielerischer Umgang mit Text und Klang brechen die zuvor verdichtete Stimmung auf und öffnen einen anderen Blick auf das Thema.
Was bleibt, sind Erinnerungen: flüchtig, vielschichtig, vielleicht angeeignet, vielleicht verwandelt.
Maryam Jalalikandy und Kie Kojima

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Nina Schumertl, Mezzosopran
Amelie Warner, Klavier

„Sturmweib“

Moritz Eggert (*1965)
Schreiben 2, aus Lasst uns ungereimt sein. 30 Aphorismen meines Vaters (2007) (Herbert Heckmann)

Alma Mahler (1879–1964)
Ansturm, aus Vier Lieder (1915) (Richard Dehmel)

Moritz Eggert
Schreiben 3, aus Lasst uns ungereimt sein. 30 Aphorismen meines Vaters (2007) (Herbert Heckmann)

Camille van Lunen (*1957)
Geschenk, aus LORELEI – GESTRANDET (2018) (Rose Ausländer, Heinrich Heine)

Enzo Enzo (*1959)
Les yeux ouverts (Fragment) (Enzo Enzo)

Luise Greger (1862–1944)
Ich wollt, ich wär des Sturmes Weib, aus Vier Lieder (1900) (Anna Ritter)

Sturmweib – Alles nur geklaut
«O zürne nicht, wenn mein Begehren dunkel aus seinen Grenzen bricht, soll es uns selber nicht verzehren, muss es heraus ans Licht!» – Richard Dehmel

Was haben die Komponistin Alma Mahler, Lizzie Magie, die Erfinderin von Monopoly und die Malerin Margaret Keane gemeinsam? Sie alle standen im Schatten von Männern, die ihr Schaffen, ihr Lebenswerk und Vermächtnis auf die eine oder andere Weise an sich rissen. Begleiten Sie uns dabei, wie wir Licht ins Dunkel der Leben dieser faszinierenden Frauen bringen. (Nina Schumertl und Amelie Warner)